Surrealismus
Bezeichnung für eine nach Beendigung des 1. Weltkrieges
in Paris entstandene und von der Tiefenpsychologie angeregte,
von G. Apollinaire 1917 so benannte und in den "Surrealistischen
Manifesten" (1924 und 1930) von A. Breton theoritisch
untermauerten Richtung der modernen Literatur und bildenden
Kunst.
Der Surrealismus erstrebt die Ausschaltung der Logik
und der rational arbeitenden Psychologie, die Vertauschung
und Auflösung der normalen Dimensionen, das freie, schöpferische
Spiel als assoziierendes Mittel, die Freilegung und
Nutzung der Kräfte des Unbewussten und die Hinwendung
zur Traum-, Symbol-, Märchen- und Mythenwelt. Alles
was zuvor absurd, unmöglich oder auch unwarscheinlich
erschien, hielt von nun an Einzug in das kulturelle
Leben der modernen Menschen.
In der surrealistischen Malerei unterscheidet man
gemeinhin zwei Tendenzen: Während Künstler wie Salvador
Dalí mit fast übertriebener Genauigkeit dargestellte
Objekte der Erfahrungswelt aus ihrem Kontext herauszunehmen
und verfremdet und verformt in neue, irrationale Sinnzusammenhänge
einbindet (veristischer Surrealismus), entwickelten
Masson, Miró oder Tanguy eine zu abstrakt-organischen
Formen tendierende Zeichenwelt (absoluter Surrealismus).
In der bildenden Kunst finden sich Gestaltungsformen
des Surrealismus vorweggenommen in der italienischen
Pittura metafisica sowie
im Dadaismus, aus dem viele
Surrealisten hervorgingen. Surrealistische Elemente
finden sich auch in der Malerei späterer Jahrzehnte
etwa bei Tachismus, bei der Action-Painting und der
Gruppe Cobra ohne das bei diesen Gruppen noch von einem
surrealistischen Stil gesprochen werden kann. Der veristische
Surrealismus setzt sich in gewisser Weise in den Richtungen
phantastischer, magischer oder mythischer Realismus
fort.
Die erste Ausstellung surrealistischer Malerei fand
1925 in Paris statt; an ihr beteiligten sich neben Chirico
und Ernst auch Künstler, die
sich bald wieder vom Surrealismus trennten: P.
Picasso, P. Klee und J.
Miró.
|